Warum ich meinem Kind die Spielsachen wegnahm

Ein weiteres Kuscheltier von der Oma, ein Boot vom Opa und von der Mama ein größerer Puppenwagen, weil er gerade im Angebot war, hinzu kommen die vielen Bücher, das erste Puzzle, eine kleine Miniküche – und die Murmelbahn darf für eine perfekte Kindheit auch nicht fehlen.  Je mehr mein Kind mit (wie wir Erwachsenen denken) sinnvollen Geschenken überhäuft wurde, umso weniger spielte sie damit. Die Verweildauer war kürzer. Die Sachen wurden durcheinander gewürfelt auf dem Boden liegengelassen und am Ende war es doch Mama´s Gießkanne die am meisten begeisterte.

 

Das brachte mich ins Grübeln und als ich mich schon wieder dabei ertappte bei Amazon nach einem neuen Spielzeug zu suchen, realisierte ich Eines: Ich stellte mir dabei vor wie schön es doch (für mich) gewesen wäre dieses Spielzeug zu haben. Ich vergaß dabei dass mein Kind nicht für meinen unerfüllten Kinderwunschzettel zuständig ist, dass es nicht reicht ihr einfach die Spielsachen in die Hand zu drücken, sondern ich auch ein Spiel dazu anbieten sollte und….am wichtigsten….weniger ist mehr.

 

Ich entschloss mich kurzerhand ihre Spielsachen zu ordnen und zu minimieren:

 

Ich machte drei Haufen und ordnete die Spielsachen thematisch

 

  • Puppen, Kochen und Essen, Kneten und basteln

 

  • Musik, Bewegung und Verkleiden, erste Spiele

 

  • Bauen, Tiere, Eisenbahn und Murmeln

 

Die Bücher habe ich aufgeteilt in Wohnzimmer- und Kinderzimmerbücher. Wir haben uns zusammen in ihr Zimmer gesetzt und alle, wirklich alle Spielsachen herausgeholt. Haben gemeinsam mit ihnen gespielt sie auf einen großen Haufen gelegt und auch gemeinsam sortiert. Ich muss sagen: es hat ihr viel Spaß gemacht – vor allem weil wir verlorengegangen Puzzleteile gefunden haben, die Trinkflasche für das Baby mal wieder zum Einsatz kam und wir den ganzen Nachmittag gemeinsam spielend verbrachten

 

Was hat sich seitdem verändert?

Ich muss dazu sagen, dass es erst knapp 2 Wochen her ist, seitdem ich ihre Sachen weggeräumt habe. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es etwas bewirkt hat.

 

  1. wir haben weniger Chaos. Ich falle nicht mehr ständig über liegengelassen Spielsachen, da sie überschaubar geworden und schnell weggeräumt sind.
  2. Ihr fehlen die Sachen nicht. Sie hat weder gejammert als ich sie wegräumte, noch fragt sie nach den verstauten Boxen. Wenn sie danach fragen würde, dann würden wir sie gemeinsam austauschen.
  3. Es gibt bewusste Spielzeiten. Sie kündigt jetzt an dass sie in ihr Zimmer entweder alleine oder mit mir spielen gehen möchten.
  4. Wir spielen länger. Sowohl alleine als gemeinsam ist das Spielen bewusster geworden. Auch ist die Dauer länger und sie ist vertiefter mit den aktuellen Sachen. Ich muss es übrigens auch lernen mich mit ihr hinzusetzen und gemeinsam Dinge zu erforschen. Etwas, das mir schwer fällt aber am Ende viel Spaß macht
  5. Der Prozess hat in mir eine bewusstere Auseinandersetzung mit Qualität versus Quantität ausgelöst. Ich denke nun mehr darüber nach, ob die Anschaffung wirklich sinnvoll oder nur eine Laune von mir ist.

 

Wie gesagt, es noch nicht viel Zeit verstrichen, seitdem wir ihre Sache wegepackt haben. Deswegen werde ich in ein paar Wochen noch einmal ein kleines Update darüber schicken, ob wir es durchgehalten haben und was sich weiterhin verändert hat.

 

 

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

2 Kommentare

  1. Irgendwie habe ich das noch nicht richtig verstanden. Sind die Spielsachen jetzt in Kisten bei ihr im Zimmer, auf dem Dachboden, ganz weg, etc. ?

    Bekommt sie immer eine Kiste zum spielen und wenn sie was anderes will, muss sie die alte zurückbringen oder wie läuft das? Wird die Kiste jede Woche getauscht?

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