Schule – und was ich noch dazu sagen muss

Old school classroom

Oh ja, Schule ist wirklich ein “weites Feld”.

Keine von uns, die ohne Erfahrung auf diesen Gebiet ist.!Keiner, der … ! Viele dieser Erfahrungen schmerzen, sind unangenehm bis bestenfalls neutral, selten gibt es dies uneingeschränkte “Oh ja, eine schöne Zeit!” Viele häufiger: Klage, Enttäuschung, Zorn …

Ich habe eine Entscheidung für Schule sehr bewusst getroffen.

Auch gegen die Einstellungen vieler, die mit mir studiert haben und in die Schule eintraten. Ich war z.B. eine große Verfechterin von Auswendiglernen von Gedichten. Das war damals, als ich Schule als Lehrerin betrat, ein “No-Go”! Vergewaltigung von …. unsinniger Drill … fragwürdige Inhalte … überflüssig wie ein … Ich dagegen hielt das Auswendiglernen für ein meditatives Projekt, für eine unabdingbare Voraussetzung für geistige Entwicklung, für eine Übung in Konzentration … niemals hätte ich damals gesagt, für eine Übung in Demut … Oh, Gott, was ist denn das???

Also habe ich mein Projekt beworben … bei den Schülerinnen und Schülern  … bei den Eltern … vielfältige Formen sind entstanden: Vortragende/r mit selbst gewählter/m Soufleuse/r… Vortrag mit dem Rücken zur Klasse, Vortrag über Kassette mit einer Eingangserklärung der Mutter oder des Vaters, dass ihr/ihm  das nachfolgende Gedicht frei und ohne fremde Einhilfe so aufgesagt worden sei … und wir haben alle so viel gelernt dabei, über unsere Unterschiedlichkeit, über das, was wir gut und weniger gut können und darüber, wie wir Wege der Selbstbehauptung, der Toleranz, des Reichtums der Ausdrucksformen finden … der gegenseitigen Anerkennung und Unterstützung suchen müssen …

Ich selber habe die vielen, vielen Gedichte, die ich auswendig kann, immer als einen inneren Reichtum empfunden, … sie tauchen manchmal auf, wenn ich einschlafe, wenn ich mich mit Dingen herumschlage … das Lieblingsgedicht meiner Mutter “Wo ist die Hand, so zart, dass ohne Irren, sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren …” das Einleitungsgedicht zur “Judenbuche” von Annette von Droste-Hülshoff, Goethes “Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig…” – Faust, nachdem er Gretchen so macho-mäßig zugrunde gerichtet hat, Heines “Ein Fräulein stand am Meere …”, Rilkes “Du, Nachbar Gott …” .. und “Schon die Schwüre allein zwischen sagen wir Belfast/und Shanghai …” immer ein anderer Raum, von dem aus ich neu betrachten kann, was mich quält und plagt und herumtreibt, immer eine andere Facette des Daseins …

Wechsel der Szene: Was mir gar nicht einleuchten wollte – ich war ganz jung, ganz neu in dieser Institution – war, Diktate schreiben zu lassen und denen, die sich da gequält hatten, anzustreichen, was sie falsch gemacht haben und am Ende, nach entsetzlich viel roter Tinte, ihnen per Note mitzuteilen, dass die Leistung, die erbracht wurde, nicht ausreicht, nicht genügt … Ich wollte markieren dürfen, was sie alles richtig gemacht hatten, auch nicht alles, aber von den vielleicht zwanzig schwierigen Wörtern, die das Diktat enthielt, doch so und so viel … Die Schwierigkeiten der Gleichbehandlung, der Notengebung … ich will davon gar nicht sprechen, wie auch mir damals aufgegangen ist, wie kompliziert der Raum ist, in dem ich mich bewege … ich hatte einen wunderbaren Schulleiter … es gab ein unglaublich engagiertes Kollegium … und siehe, so vieles war möglich … Schule, das ist ein weites Feld von Möglichkeiten … ein Ort von Begegnungen …

Immer habe ich meinen besten Schülerinnen und Schülern, meinen besten Studentinnen und Studenten versucht nahe zu bringen, was lehren und lernen wirklich bedeutet …  ein weites Feld der Entwicklung – anderer und der eigene Person  – zu betreten.

Also, nur Mut

Artikel von

1 Tochter, 1 Sohn, verh., Dr. phil., Lehrtätigkeit (TU, Gymn.)

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