Schraibe wi du schbrichst

Rechtschreibung

Eltern von Grundschülern sind häufig verunsichert, Lehrer weiterführender Schulen sogar sauer auf die Kollegen aus der Grundschule. Der Grund: Sehr viele Grundschüler in Deutschland lernen inzwischen mit Methoden und Lehrgängen schreiben, die Elemente des Konzepts “Lesen durch Schreiben” des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen übernommen haben.

“Van gen vir vidder tsum Tso bite?” Rührende Kinderbriefe mit extravaganter Schreibweise: Schuld ist die Methode “Lesen durch Schreiben” des Schweizer Reformpädagogen Reichen. Mit dieser Chaos-Orthografie sind wir auf dem Holzweg. Die Welt

„Liba Fata ales gute zum Fatatak Ich hab dich lib“ Fehlerquote in Diktaten steigt horrend FOCUS

“Das ist völliger Unsinn” Schreib, wie du sprichst – der Rest kommt von allein. Nach dieser Methode sollen heute viele Kinder die richtige Rechtschreibung lernen. Im Interview erklärt Grundschulexperte Günter Jansen, 73, warum er von dieser Methode überhaupt nichts hält und welche Kinder besonders darunter leiden. SPIEGEL

Das Kuriose an der Geschichte: “Um den Schülern das Lernen zu erleichtern und den Unterricht effektiver zu gestalten, änderte” Konrad Alexander Friedrich Duden, fürsorglicher Gymnasialdirektor im thüringischen Schleiz, “einst die Lehrpläne. So wurden die Fächer ‘Schönschreiben’ und ‘Tonlesekunst’ abgeschafft, musische Fächer wie Singen und Zeichenunterricht und ebenso Turnen wurden gefördert.(…)
In dieser Zeit wurden ihm auch die Rechtschreibprobleme seiner Zeit besonders deutlich: Jedes Gymnasium, jeder Verlag, jede Dienststelle hatte sich – wenn überhaupt – intern auf eine eigene Hausorthografie geeinigt. Um den schlechten Zustand der damaligen Orthografie zu dokumentieren und Wege zur Überwindung aufzuzeigen, legte Konrad Duden 1872 seine Ansichten zu dem Thema in der Schrift Die deutsche Rechtschreibung dar, der er ein Wörterverzeichnis mit Regeln hinzufügte.”
Er wirkte auf der „1. Orthographischen Konferenz” von 1876 in Berlin “als Vertreter der gemäßigt phonetischen Richtung mit, die sich im Wesentlichen auf die Formel „Schreibe, wie du sprichst“ stützte. Dies empfand Duden als demokratisch, weil es jedem – unabhängig von seiner sozialen Herkunft und Bildung – das Erlernen der Orthografie am ehesten ermögliche.”
Das aber heißt: Der Duden, denn nichts anderes als das permanent in Überarbeitung befindliche “Wörterverzeichnis mit Regeln” Konrad Dudens ist das Werk Die deutsche Rechtschreibung ja, ist ohnehin aus dem Motiv heraus entstanden, das richtige Schreiben zu erleichtern. Mehr Nähe zur Phonetik ist wahrscheinlich gar nicht sinnvoll: Damals wie heute werden im deutschen Sprachraum Dialekte gesprochen, die, wie jeder schon erlebt hat, klanglich weit auseinander liegen können. Schreibt also jeder, wie er spricht, ist das Ergebnis gar nicht mehr für jeden Leser verständlich. Dudens zweites Motiv war also die Vereinheitlichung der Schreibweisen mittels des Hochdeutschen.
Fazit: Das Erlernen der deutschen Orthografie darf (und sollte) Grundschülern zugemutet werden, schließlich ist das Ziel das Ermöglichen von Kommunikation und nicht von Kryptografie. Eltern müssen nicht befürchten, dass ihre Kinder dadurch überfordert würden, denn: „’Die Dudenredaktion’, so der Leiter der Dudenredaktion, Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, ‘bleibt dem Anliegen Konrad Dudens nach einer einfachen, einheitlichen und für jedermann leicht anwendbaren deutschen Rechtschreibung verpflichtet.'” (zitiert nach: Duden Kurzbiografie)

Artikel von

2 Töchter, 1 Sohn, verheiratet, Online-Redakteurin, Coach

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