Quengelware adé!

 

Endlich Land in Sicht! Das war mein erster Gedanke, als ich letzte Woche las, dass Lidl die Quengelware abschaffen will. Keine Trotzattacken an der Kasse; keine Tränen der Enttäuschung und Schweißperlen, die getrocknet werden müssen und keine vorwurfsvollen Blicke der Oma, die sich über die ungezogenen Kinder aufregt oder der Hipster, die endlich ihre Mate bezahlen und zum nächsten Rave abdüsen wollen. Wir Eltern aus der Großstadt (ich muss gestehen ich weiß nicht wie es auf dem Land ist – hoffe aber sehr Euch Landeltern ergeht es da etwas besser) gehen sowieso schon jeden Tag über ein Mienenfeld an missbilligenden Blicken, irritiertem Kopfschütteln, und verurteilendem Getuschel. Wir sind das Feindbild #1 und wenn man dann auch noch die Schlange an der Kasse mit einem trotzigen 2-jährigen Kind aufhält, dann würden uns wahrscheinlich viele gerne mit Spaten und Schaufel vor die Stadttore jagen. Wir Eltern stehen dann meist vor der Entscheidung: Das Kind bekommt das Ü-Ei und wir sind nun ein für alle Male bestechlich, oder wie wehren uns und müssen im schlimmsten Falle das schreiende Kind gemeinsam mit drei vollen Einkaufstüten nach Hause tragen. Ein Horrorszenario bei dem gerne auch noch die Eier runterfallen oder die EC Karte vergessen wird. Außerdem sind wir gerade um mindestens 3 Monate gealtert. Man kann sich also vorstellen, was wir alles tun würden, um diesen – meist wöchentlichen – Kraftakt aus unserem Eltern-Alltag zu streichen.

Caro von Stadt Land Mama hat sich mit ihrer Aktion bei change.org schon vor einer Weile für ein Quengelwarenverbot eingesetzt und dies auch in ihrem Supermarkt durchsetzten können. Dass nun eine internationale Supermarktkette, wie Lidl, nachzieht, gibt mir Hoffnung, dass auch bald andere Anbieter über diese, entschuldigt meinen Ausdruck, dämliche Marketingmaßnahme.

Da eine flächendeckende Umsetzung noch eine ganze Weile dauern wird, gebe ich Euch nun noch einen kleine Strategie mit auf den Weg, die mir Frauke von Einfach Eltern neulich mitgegeben hat: Wenn Dein Kind mal wieder vor der Quengelware steht (und alt genug für diese Konversation ist), dann frag es, was es denn jetzt am allerliebsten haben will. Sag ihm, dass du das total verstehen kannst, weil es ja wirklich lecker ist. Zeig ihm deine liebste Sache, die Du gerne haben würdest und erkläre ihm dann, dass aber diesmal das Geld nicht reicht oder ihr dafür unbedingt etwas anderes kaufen müsst (der Grund kann individuell adaptiert werden). Häufig reicht es dem Kind, dass es sich verstanden fühlt und dass es Dir genauso geht, wie ihm. Sollte das nicht helfen, dann heißt es nur noch: Augen zu und durch.

 

 

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

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