Meine Mutter war eine ebenso großartige wie verheerende Frau!

ElisabethSie führte ein kleines Wirtschaftsunternehmen mit genialer Hand! Im Keller gab es Regale voll eingeweckter selbst gesammelter Früchte und Pilze. Und zwischen den Gläsern – Sonnenglast, das Rufen der Kinder nach einander, um sich nicht zu verlieren, die feuchte atmende Erde und das Ausleeren der kleinen Töpfchen in den großen Korb.
Aus dem Stall warme, frisch gemolkene Ziegenmilch und die gerade gelegten Eier aus den Nestern! Ziegenmilch mit dem strengen, gewöhnungsbedürftigem – schon vor dem ersten Schluck – scharf in die Nase steigenden Geruch, Kinderkehlen zum Würgen bringend.
Der Garten – prall voll mit essbarem Grün … und sie unermüdlich tätig, säend und erntend, schneidend und pflegend, … Gab es irgend etwas, das sie nicht konnte? Häkeln, stricken, nähen, kochen, backen, waschen? Sich um die Nachbarn kümmern, die Caritas-Beiträge einsammeln?
Oh, nein, meine Puppe sah jedes Weihnachtsfest so hinreißend aus, dass ich sie für einen Augenblick tatsächlich für eine neue hielt. Meine Brüder trugen gekonnt geschneiderte Hosen und meine Schwestern anmutige Kleider. Die Nachbarn schätzten ihre Besuche.
Kranken Kindern machte sie Wadenwickel und feuchte Umschläge, brachte Tee und Zwieback, schüttelte die Betten auf und lüftete die Zimmer.
Wenn sie den Eintopf umrührte, lagen daneben “Die Kraniche des Ibykus” oder “Wo ist die Hand so zart, dass ohne Irren/ Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren …” oder Rilkes “Panther” oder …  und da wir uns bei den Rezitationen die Ohren zuhielten, ging sie hinaus in den Garten und trug dem üppig wuchernden Gemüse das Erlernte, das ihr Herz Wärmende vor.
Wir waren mit meiner Oma, ihrer Mutter, die, bis ich auszog, bei uns lebte, ein Neun-Personen-Haushalt. Sie war hingebungsvoll, äußerst talentiert.
Und was war das “Verheerende”?

Sie konnte keine Beziehung aufnehmen. Sie konnte es wirklich nicht …”

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1 Tochter, 1 Sohn, verh., Dr. phil., Lehrtätigkeit (TU, Gymn.)

3 Kommentare

  1. Anke Adamik at | | Rückmeldung abgeben

    Liebe Elisabeth,

    mit großer Sympathie habe ich Ihren Beitrag als eine Liebeserklärung an die Mutter gelesen. Dennoch fehlt Ihnen in der Beziehung zu Ihrer Mutter ja Entscheidendes. Die Gegenliebe? “Sie konnte keine Beziehung aufnehmen.” Ich fühlte mich überrascht, hatte ich doch zuvor detailiert gelesen, auf welche Weise ihre Mutter zu anderen Beziehungen aufnahm. Was also fehlt Ihnen? Wo nehmen Sie das Defizit wahr? Lust, das zu erforschen? Ich bin Coach und auf Work-Life-Balance spezialisiert. Das würde, so vermute ich, den Bereich Life-Balance betreffen. Ich biete mich also auf diesem Wege als professionelle Gesprächspartnerin an.

    Herzliche Grüße
    Anke Adamik

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