Jetzt schaltet doch mal Eure Kinder ab! – oder warum wir in einer kinderfeindlichen Gesellschaft leben

Jetzt schaltet doch mal Eure Kinder ab! – oder warum wir in einer kinderfeindlichen Gesellschaft leben

Kinderlärm beim Nachbarn

Ich bin ja nun meinem Kind an die Ostsee hinterher gereist. Hier haben wir ein kleines Bungalow in Standnähe. Alles ist idyllisch. So wie man sich den Urlaub an der Ostsee wünscht. Wenn da nicht die kinderfeindlichen Nachbarn wären. Folgende Situation: Meinte Tochter ist jetzt etwas über 2 Jahre und gerade mitten in der Trotzbock-Grenzen-Testen-Phase. Sie findet „Nein“ nicht selten doof und wenn es nicht nach ihrer Nase geht, dann wartet ein Brüller nicht lange auf sich.  Ihre Cousine ganze 5 Monate jünger, bekommt ihre letzten Backenzähne und hat gerade angefangen zu sprechen. Und wenn sie eben etwas ganz unbedingt möchte und ihr gerade nicht die passenden Worte einfallen, dann wird es logischerweise auf die altbekannte Art des Weinens oder Jammern versucht. Ein ganz normaler Kinderalltag eben, mit all seinen Höhen und Tiefen. Wir finden es trotzdem alle alle sehr schön! Die Nachbarn jedoch weniger. Das ältere Ehepaar macht neben uns im Bungalow Urlaub und findet es ganz schlimm wie viel die Kinder weinen, denn so können sie gar nicht entspannen. Und dran schuld sind wir, weil wir ja beeinflussen können, wie nervig unsere Kinder sind. So meinten sie zumindest. Vor noch einem Jahr hätte mich das sprachlos gemacht, da mir solch Unverständnis nicht das erste Mal entgegengebracht wird, habe ich mittlerweile ein zwei Standardantworten und ein müdes Lächeln parat.

 

Unsere Gesellschaft entfremdet sich von ihren eigenen Kindern

Das traurige ist, dass ich ihre Reaktionen in Teilen nachvollziehen kann. Vielleicht haben sie keine Kinder/Enkelkinder oder sie wohnen zu weit weg um sich daran zu erinnern, wie so ein Alltag mit Kleinkindern aussieht. Kinder verschwinden zunehmend vom öffentlichen Geschehen. Sie werden beim Stillen schon versteckt, zur Bespaßung in Kurse gesteckt und von den Eltern zu Spielverabredungen gefahren. Wenn man dann doch mal Kinder sieht, dann meist, wenn sie an der Kasse die Schlange aufhalten und um ein Überraschungsei betteln oder eben den Urlaub stören. Da ist doch kein Wunder, dass unsere Kinder als Unruhestifter und Nervensägen wahrgenommen werden.

 

Ich habe der Dame übrigens gesagt, dass sie bestimmt auch mal so klein war und hin und wieder weinte und dass diese nervigen Kinder später mal ihre Rente bezahlen. Und wenn ihr das nicht passt, dann solle sie einfach woanders Urlaub machen. Da war sie dann ruhig.

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

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