Familie ohne Vater? Logo!

Puh! Als ich gerade die Kolumne „Familie ohne Vater: Soll das sein?“ von Henning Lindhoff las und musste ich erst einmal tief durchatmen. Zwar ist es ein Meinungsstück und jeder soll natürlich seine Meinung haben, aber bei einer solchen Veröffentlichung wünsche ich mir wirklich ein bisschen mehr Weitblick. Seine Inhalte sind, wie folgt, zusammenzufassen: Ein Kind braucht Mutter und Vater. Eine vertraglich geregelte Vaterschaft ohne gesunde Beziehung zum Kind sei ein unverantwortlicher Eingriff in die menschliche Natur.

Die erhöhte künstliche Befruchtung bei lesbischen Paaren ist demzufolge unverantwortlich dem Kind und der Natur gegenüber. Herr Lindhoff schreibt ganz klar: „Lässt sich die menschliche Natur ausschalten? Natürlich nicht. Die menschliche Natur, zu der es auch gehört, dass ein Männchen und ein Weibchen kopulierend wie kooperierend ein Kind zeugen und erziehen, kann nicht mittels geistiger Willenskraft verändert werden. Hier stößt der Wille und die Gestaltungskraft der Menschen an ihre natürlichen Grenzen – freiwillige nicht-aggressive Kooperation hin oder her.“

Two women with children

Brauchen wir neue Definitionen zur Familie?

Nun lieber Herr Lindhoff, muss ich doch einmal etwas genauer hinterfragen, wenn es hier schon um Verantwortung geht: Wie beläuft sich es denn mit den vielen Scheidungskindern, klassischer Mutter-Vater-Kind-Familien, mit Besuchsrechten alle zwei Wochen, neuen Partnern und Stief- und Halbgeschwistern verschiedenster Art auch gerne mal „hinten runter“ fallen? Wie beläuft es sich mit den Vätern der vielen Kinder die „aus Versehen“ in die Welt gesetzt werden oder mit den „Sonntagsvätern“, die ihren Kindern zwischen Job, Sport und Männerabend ganz schnell noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen? Und wie ist das mit den Kindern alleinerziehender Mütter? All das müssten nach Ihrer Argumentation doch dann ebenso verantwortungslose Eltern sein. Wenn man die alle mal grob überschlägt, würde ich ja fast sagen dass dies die deutliche Mehrheit der deutschen Familien betrifft. Aber wir wollen ja nicht übertreiben.

Ich denke auch, dass sich Familien mit zwei Müttern oder Vätern besonders Gedanken machen sollten, wie sie das „fehlende“ Geschlecht und dessen Rollenvorbild auffangen. Aber gerade Paare, denen nicht einfach das Kind in den Schoß fällt und die ihre Familie mit einem hohen emotionalen und teilweise auch finanziellen Aufwand gründen, machen sich ganz sicher genug Gedanken, dem Kind eine bestmögliche Umgebung zum Aufwachsens zu geben. Ich finde diese Fragen sollten wir uns alle regelmäßig stellen. Was für ein Vorbild sind wir unseren Kindern eigentlich?

 

Und nun zu Ihrer durchaus fragwürdigen These, wenn zwei Frauen Kinder groß ziehen, spricht das gegen die Natur. Zu einem natürlichen Aufwachsen der Kinder gehören Vater und Mutter. Sie sagen „Im Geiste kann er sich zwar vielerlei Szenarien, Lebensstile und –gestaltungen ausdenken. Doch in puncto Umsetzung spielt eben auch die Natur, das, was dem Menschen genetisch mitgegeben wurde, eine wichtige Rolle.“

Hierzu möchte ich Sie gerne auf eine kleine Reise der Evolution mitnehmen. Früher war es nämlich tatsächlich so das die lebenslange Mann-Frau-Kind Familie gar nicht existierte. Die Männer kümmerten sich um die Fortpflanzung (meist mehrerer Frauen) und die waren lange Zeiten auf der Jagd oder im Krieg. Die Kinder wuchsen in einem großen Familien-Clan auf, umgeben von anderen Frauen, teilweise älteren Männern und Frauen und vielen Kindern. Es gab also gar keine klassische Rollenverteilung in dem Sinne, wie Sie es in Ihrem Text der menschlichen Natur nachsagen.

 

Ich habe wirklich nichts gegen kritische Beiträge, die Fragen aufwerfen und zum Nachdenken oder gar Umdenken anregen, aber einen so einseitig formulierten und schlecht recherchierten Beitrag, wie diesen, kann ich im besten Falle nur müde belächeln.

 

Herzlichst

Ulrike Käfer

 

 

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

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