„Einmal Mutter immer Mutter“.

Vergangenen Mittwoch fuhr ich mit der S-Bahn nach Hause. Glücklich noch einen Sitzplatz am Fenster erwischt zu haben, setzte sich gleich neben mich ein hübsches und sehr gepflegtes junges Mädchen. Ihr Begleiter, eine Art Cockerspaniel, sollte auf dem Boden Platz nehmen.
Meine Nachbarin war auffallend gut geschminkt, obwohl Sie von Natur aus hübsch war, es eigentlich gar nicht nötig hatte. Mein Gegenüber war in ein Buch vertieft. Schielte allerdings auch mal ´rüber.
Der nette kleine Hund hatte schon bald keine Freude daran auf dem Boden zu sitzen. Er zog an der Leine, fiepte herum, stellte seine schmutzigen Pfötchen auf die Oberschenkel meiner hübschen Nachbarin.
Dies ewige hin und her wurde ihr zu bunt. Mit Bedacht öffnete sie ihre Krokoimitathandtasche und zauberte aus einer Plastiktüte kalorienfreies Hundedelight hervor, gab es der kleinen Nervensäge und beide gaben sich zufrieden. Gelegenheit für meine hübsche Nachbarin ihr I-Phone aus der schönen Tasche zu ziehen und damit herum zu hantieren. Eintippen von irgendwas, löschen – so die üblichen Gimicks für Gelangweilte.
Inzwischen hatte der nette Hund sein Delight verspeist und entdeckte sein Frauchen aufs Neue.
Der Vorgang des Aufmerksamkeit Erhaschens wiederholte sich. Fiepen, Pfoten auf die Oberschenkel, Handtasche bearbeiten, Hundedelight entnehmen, füttern – I-Phone.
Einmal zwischendurch durfte der Hund noch mal auf Frauchens Schoss Platz nehmen.
Das ganze wiederholte sich fünf Mal!!!
Mein Gegenüber legte die Stirne in Falten, und ich war hin- und hergerissen, ob ich mich einmischen sollte und eigentlich geht es mich ja gar nichts an.
Die S-Bahn war bereits kurz vor meiner letzten Station angekommen, ohne weiteres Nachdenken, beim sechsten Mal Greifen in die Handtasche, habe ich meiner jungen und hübschen Nachbarin gesagt, sie solle das endlich sein lassen, sie gewöhne ihrem Hund das Betteln an. Ihre wohlgeschminkten runden braunen Augen sahen mich ungläubig an. Ich fuhr sofort fort, dass der Hund eigentlich nur ihre Aufmerksamkeit wolle und sie ihn jetzt verziehen würde. Ihre Antwort kam ganz gelassen, dass das Hundedelight keine Kalorien enthalte. Da kam ich ihr zuvor mit der Frage, wie alt der Hund denn sei, ob er auch einen Namen habe, dass er sicher viel Bewegung brauche. Der Hund hieß Charly, war 10 Monate alt. Ganz klar der Hund war aufgeregt und brauchte Zuwendung. Mit dieser Einsicht hielt ich mich nicht zurück. Lies ganz gelassen meine Ansicht zur Hundehaltung auf sie herab rieseln.
Mit einem Satz, schon saß der clevere kleine Charly wieder bei seinem Frauchen auf dem Schoss. Legte seinen Kopf auf die Handtasche. Die Handtasche war noch geöffnet und die Tüte mit diesem kalorienfreien Hundedelight ragte heraus. Interessanterweise nahm Charly keine Notiz von dem Inhalt der Handtasche. Sie, das hübsche Frauchen, war überrascht und begann ihren Charly zu streicheln.
Mein Gegenüber hatte zwischenzeitlich das Buch vergessen, las aber schnell weiter.
Jetzt war Charly ruhig und Frauchen konnte sich um mich kümmern. Ob ich auch Hunde hätte?
Hatte ich auf diese Frage gewartet? Mein Auftritt und hier meine Antwort: Ich hatte einen Hund, drei Katzen, mit vielen Pferden gearbeitet und ich habe zwei erwachsene Kinder! Besonders meine Kinder haben mich überzeugt, dass Aufmerksamkeit und Zuspruch nur gut tun!!!! Mmmhh! Die Antwort meiner hübschen Nachbarin, die das I-Phone noch immer irgendwie festhielt.
Charly hatte inzwischen den Schoß seines Frauchens verlassen, zog an der Leine, er musste noch eine Station länger in der S-Bahn aushalten, fiepte, schaute Frauchen an, ich sagte beiden und meinem gegenüber einen schönen Tag noch , nicht wahr Charly, auf Wiedersehen und stieg beschwingt aus der S-Bahn.

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2 erwachsene Söhne

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