Ein Wort noch zu Patrick Pronk und Angela Merkel…

 

Homosexuell Adoption - motherbook
Homosexuell Adoption – motherbook

Merkels Schlingern auf die Frage, warum sie sich gegen die Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare im Adoptionsrecht positioniert, mag extrem unsouverän gewirkt haben. In Wahrheit hat allerdings nicht nur ihre Position, sondern gerade dieses Schlingern ein konservatives Klientel bedient, dessen Ablehnung gegen Homosexuelle auf genau den selben unsicheren und unbegründeten Grundpfeilern steht wie jene von Merkel. Jedoch spricht die Unsicherheit gerade im Thema Adoption einem wesentlich größeren Kreis von Leuten als dem konservativen Kern aus dem Herzen, der zum Teil deutlich weniger homophob eingestellt ist.

Fragen über das Kindeswohl kommen auf, über sexuelle Vorbildfunktion oder einfach über eine Elternkombination, die „von der Natur nicht so gedacht war“. Können gleichgeschlechtliche Partner adoptierte Kinder genauso gut aufziehen wie heterosexuelle Parnter? Problematisch scheint dies vor allem im Fall von zwei Vätern zu sein, denn immer noch nimmt im Normalfall die Mutter die größte Rolle in der Kindererziehung ein – und dies nicht unbegründet.

Machen wir dieser Unsicherheit ein Ende und schauen uns eine Studie an, die gerade von Susan Golombok und einem Forschungsteam der Cambridge University erscheinen ist. Golombok et al. vergleichen das Gesamtwohlergehen von Adoptivkindern von jeweils 40 schwulen, lesbischen und heterosexuellen Elternpaaren. Alle Teilnehmer waren Staatsbürger von England, wo die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare schon seit 2005 legal ist. Die teilnehmenden Kinder waren zwischen 4 und 8 Jahren alt und haben zum Zeitpunkt der Studie bereits mindestens ein Jahr mit den Adoptiveltern gelebt.

Die Studie war umfassender und tiefer angelegt als ihr vorausgegangene. So wurde eine Multimethodik angewandt – Interview, Fragebogen und Observation – und Multiinformanden miteinbezogen – Eltern, Kinder und Lehrer. Kriterien in Bezug auf die Eltern waren zum Beispiel: Wärme, Sensibilität, angemessene Disziplin und der elterliche psychologische Zustand. Kinder wurden auf Verhaltensauffälligkeiten und geschlechtstypisches Verhalten beobachtet. Des weiteren wurden Qualität und Quantität der Interaktion bei gemeinsam zu bewerkstelligenden Aufgaben und Spielen untersucht.

Die Ergebnisse waren verblüffend: Die Familien mit lesbischen oder schwulen Eltern zeigten keine nennenswerte Unterschiede, wohl aber schnitten beide Familientypen in beinahe allen Kriterien besser ab als das herkömmliche Familienmodell mit Mutter und Vater. Weniger überraschend war ein minimal reduziert geschlechtstypisches Spielverhalten bei Jungen, die von einem lesbischen Paar und Mädchen, die von einem schwulen Paar adoptiert worden sind.

Golombok et al. erklären sich die Ergebnisse wie folgt: Es mag bei der Vergabe der Kinder an die homosexuellen Adoptiveltern auf Grund von wenig Erfahrung darauf geachtet worden sein, dass diese Kinder nicht die psychologisch schwierigsten Fälle gewesen sind. Außerdem, so Golombok, kann es sein, dass sich das Ausbleiben von eventuellen Fruchtbarkeitsbehandlungen positiv ausgewirkt hat. Die Adoptivkinder von schwulen Eltern sind nicht zweite, sondern erste Wahl.

Trotz allem mögen die Ergebnisse für manch Einen nicht nur verblüffend, sondern auch fragwürdig erscheinen. Aber an diesem Punkt möchte ich den Blick noch einmal darauf lenken, dass es sich in der Studie, sowie in der gesamten Debatte nicht um einen Vergleich zwischen den homosexuellen Paaren und den herkömmlichen Familien, in die ein Kind hineingeboren wird, handelt. Ein solcher Vergleich wäre schon obsolet wegen der außerordentlichen Verbindung  zwischen natürlicher Mutter und Kind, die sich in der Schwangerschaft allein auf der Zellebene bildet. Nein, hier geht es ausschließlich um Adoptiveltern, gerade jene, bei denen der Aspekt der Schwangerschaft, des Heranwachsens eines Körpers im anderen fehlt. Hier geht es nicht mehr um die eigentliche Eltern-Kind-Verbindung, sondern um eine außergewöhnliche menschliche Verbindung zwischen zwei Erwachsenen und einem Kind, die von Seiten der Erwachsenen zwar durch den eigenen Lebenstraum motiviert gewesen sein mag, die darüber hinaus jedoch durch eine Menge Aufopferung, Liebe und guten Willen geprägt ist. Und spätestens diese Studie sollte uns die Augen öffnen, dass gleichgeschlechtliche Paare – auch wenn sie aus Männern bestehen – den gemischtgeschlechtlichen darin zumindest in nichts nachstehen.

Warum dieser Artikel auf Motherbook? Weil es hier nicht nur um Mutterschaft, sondern auch um Mütterschaft gehen sollte. Wie schade wäre es, wenn den homosexuellen Paaren die Türen verschlossen blieben und ein so großes Potential an adoptionswilligen und -fähigen Menschen nicht ausgeschöpft würde.

Zum Schluss noch: Verzeihen wir Angela Merkel, die sich neben all den großen Fragen dieser Welt nicht auch noch einem so unbedeutenden Thema wie dem Kindeswohl widmen kann, egal in welchem Familienmodell.

Referenz:

Susan Golombok et al. Adoptive Gay Father Families: Parent-Child Relationships and Children’s Psychological Adjustment. Article first published online: 22 AUG 2013. DOI: 10.1111/cdev.12155

 

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