“Aschenputtel-Effekt” – wie Stiefeltern Kinder behandeln, hängt von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab

Lässt sich nicht unterkriegen: "Drei Haselnüsse für Aschenputtel"
Lässt sich nicht unterkriegen: “Drei Haselnüsse für Aschenputtel”

Aschenputtel, Schneewittchen, Frau Holle – in vielen der Grimmschen Märchen leiden Kinder unter unter Stiefeltern. Sie erleben Vernachlässigung und Lieblosigkeit, Eifersucht und Demütigung. Im Extremfall werden sie sogar aus dem Haus gejagt. Weil Aschenputtel die beiden Stiefschwestern so extrem vorgezogen wurden, wird dieses Phänomen Aschenputtel-Effekt genannt. (Nicht zu verwechseln mit dem Cinderella / Aschenputtel-Syndrom, also der Angst von Frauen vor Selbständigkeit und deren illusorisches Hoffen auf das Erscheinen eines edlen Ritters, mit dem sie in einer güldenen Zukunft entgegenreiten.)

Eine Studie widerlegt nun diesen “Aschenputtel-Effekt”: Stiefeltern sind nicht immer böse Deutsche und kanadische Forscher kommen nach der Auswertung von historischen Daten zu der Erkenntnis, dass elterliche Fürsorge von weitaus mehr abhängt als von Blutsverwandschaft. Damit widerlegen sie das Märchen von der bösen Stiefmutter. n-tv

Die Forscher beschäftigten sich mit der Frage, wann Stiefkinder jung sterben müssen. Die Dimension des Aschenputtel-Effekts ist beachtlich: Verlor ein krummhörner [eines der beiden Untersuchungsgebiete] Mädchen früh die Mutter, wuchs seine Wahrscheinlichkeit, den 15. Geburtstag nicht zu erleben, auf über das Doppelte des Risikos eines vergleichbaren Mädchens, dessen Mutter nicht starb. Heiratete der Vater wieder und die Stiefmutter zog ein, stieg die Sterblichkeit noch einmal ebenso stark. Der Einzug der Stiefmutter traf die Mädchen in Ostfriesland also genauso schlimm wie der Tod der eigenen Mutter. Im kanadischen Québec hingegen änderte sich das Sterberisiko der Stiefkinder fast gar nicht, wenn die neue Mutter kam.

„Die Stiefmütter in Québec schienen zu verstehen, dass die Kinder aus erster Ehe ihres Mannes den eigenen Kindern mit dem neuen Ehemann nicht im Weg stehen“, sagt MPIDR-Forscher Kai Willführ. Die kanadischen Halbgeschwister seien in der Expansionsphase der Besiedlung eher als Verbündete der leiblichen Kinder gesehen worden. Gemäß dem „Aschenputtel-Effekt“ hingegen würden Stiefeltern die fremden Kinder immer als Konkurrenz zu den eigenen sehen und sie hintanstellen. MPIDR

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2 Töchter, 1 Sohn, verheiratet, Online-Redakteurin, Coach

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