Alleinerziehende bleiben auf der Strecke

 

Sehr häufig sehe ich Artikel oder Blogeinträge durch das Internet kursieren, die beschreiben, wie schwer es Familien in Deutschland haben, dass gerade Großfamilien heutzutage wegen ihrer Kinderzahl schief angeschaut werden, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Lüge und unsere Gesellschaft auf kinderlose Paare ausgerichtet ist. Und um ehrlich zu sein, ich selbst beschwere mich darüber, weil ich als Mutter viele dieser Defizite jedenTag erlebe. Wenn dann jedoch eine meiner alleinerziehenden FreundInnen zu Besuch kommt, merke ich, dass meine meine Beschwerden zwar durchaus ihre Berechtigung haben, aber doch auf hohem Niveau angesiedelt sind. Diese FreundInnen müssen Alles im wahrsten Sinne alleine meistern. Kind, Lebensunterhalt, Beruf, Haushalt – alle Sorgen müssen sie selbst tragen und wenn sie einen Durchhänger haben, können sie selten den Nachwuchs an jemand anderen abtreten, denn die Familie lebt meist nicht in der selben Stadt. Ich frage mich jedes Mal mit Bewunderung „Wie schaffen die das alles?“

Umso mehr freut es mich, dass die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit der Juraprofessorin Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt kürzlich eine Studie herausgegeben hat, die auf viele Defizite hinweist, die gerade in den letzten Jahren durch diverse Gesetzesänderungen schleichend entstanden sind. Im selben Zuge sieht sie einen dringenden Reformbedarf in den Maßnahmen zu Unterstützung dieser Familienform. Besonders weil mit 1,6 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern die Ein-Eltern-Familie keine Seltenheit mehr ist.

Zusammenfassend hat die Studie folgendes festgestellt:

 

  • 39% aller Ein-Eltern-Familien sind auf eine staatliche Grundsicherung angewiesen
  • im Vergleich zu Paarfamilien beziehen sie fünf Mal häufiger Hartz IV
  • Jedes zweite der 1,9 Millionen Kinder leben von staatlicher Grundsicherung
  • Neben dem sich nachteilig auswirkenden Unterhaltsrecht erhöht das Steuerrecht den finanziellen Druck besonders auf Ein-Eltern-Familien mit niedrigem Einkommen:
    • Die finanzielle Lage von Kindern in Ein-Eltern-Familien ist schwieriger geworden seit der 2008 veränderten Regelungen im Unterhaltsrecht
    • Alleinerziehende werden außerdem steuerlich benachteiligt. 2003 wurde der höhere Haushaltsfreibetrag für Alleinerziehende abgeschafft. Der seit 2004 geltende, deutlich niedrigere Entlastungsbetrag führt dazu, dass Alleinerziehende fast so besteuert werden wie Singles.
  • Den 2005 eingeführten Kinderzuschlag können Alleinerziehende häufig nicht in Anspruch nehmen und von den Kindergelderhöhungen der letzten Jahre profitieren viele Kinder mit alleinerziehenden Eltern auch nicht – da andere Leistungen (wie Har IV, Kindesunterhalt und Unterhaltsvorschuss) vollständig angerechnet werden

Dies Ergebnisse sollen nur als Überblick dienen. Wer gerne die ganze Studie und die damit verbundenen Handlungsempfehlungen lesen möchte, kann sie hier finden.

 

Bertelsmann Studie - Alleinerziehende unter Druck
Bertelsmann Studie – Alleinerziehende unter Druck

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung einen für mich sehr treffenden Kommentar zu dieser misslichen Situation geäußert:  „Kinderarmut mit der Gießkanne zu bekämpfen, die ausgerechnet die Familien ausspart, die Unterstützung dringend benötigen, kann nicht der richtige Weg sein“

Wir hoffen sehr, dass auf seine Worte nun Taten seitens der Politik folgen.

 

Da wir aber wissen, dass die Erde sich noch sehr oft drehen wird, bis die Politik solche Themen in Angriff nimmt (wenn überhaupt), sollten wir alle hin und wieder das Kind der alleinerziehenden Freunde, Kollegen oder Nachbarn von der Schule oder der Kita mitnehmen, einen gemeinsamen Ausflug Wochenende machen oder auch eine Palette Milch vom Einkaufen mitbringen. Dann können die Eltern kurz durchatmen, ein Buch lesen oder in Ruhe baden gehen und wir bekommen vielleicht ein paar Punkte auf unserem Karma-Konto, die sicherlich auch nicht schaden.

 

Bertelsmann Studie - Alleinerziehende unter Druck

Quelle: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-6F722AFD-F8F8C9AD/bst/hs.xsl/nachrichten_120447.htm

 

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

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